Geburtsorte im Vergleich

Klinik (stationär & ambulant), Geburtshaus und Hausgeburt - Was passt zu mir ?

1/12/2026

Die Wahl des Geburtorts ist eine der wichtigsten Entscheidungen während der Schwangerschaft. Sie betrifft nicht nur die praktische Organisation, sondern auch Gefühle von Sicherheit, Selbstbestimmung und Vertrauen. In diesem Artikel vergleiche ich drei Geburtsorte : ➡️ 1. Klinikgeburt - stationär & ambulant ➡️ 2. Geburtshaus - ambulante, hebammengeleitete Einrichtung ➡️ Hausgeburt - bei dir zu Hause. Außerdem erläutere ich die Möglichkeit einer hebammengeleiteten Geburt in der Klinik - eine oft gesuchte „Mischform“.

Stationäre Klinikgeburt

Das klassische Setting: Du gehst in ein Krankenhaus, bleibst dort während der Geburt und 2 bis 4 Tage nach der Entbindung. Hebammenbetreuung und ärztliche Versorgung ist rund um die Uhr verfügbar. Schmerzmittel wie z.B. PDA, operative Eingriffe (Saugglocke, Kaiserschnitt) und Notfallversorgung stehen sofort bereit. Risikopatientinnen profitieren : Diabetes, Bluthochdruck, Frühgeburt oder Mehrlinge werden hier sicher begleitet. Nachteile : Der Klinikalltag kann unpersönlich wirken und hier ist die Rate an Interventionen (z.B. Weheneinleitung, Dammschnitte, Kaiserschnitte ) am höchsten.

Ambulante Geburt in der Klinik

In nahezu allen Krankenhäusern ist es heute möglich, ambulant zu gebären: Du kommst zur Geburt in den Kreißsaal und gehst wenige Stunden nach der Geburt wieder nach Hause. Wann ist das sinnvoll ? ✅ Du bist gesund & ohne Risikofaktoren. ✅ Du wünschst weniger Krankenhaus-Aufenthalt, aber medizinische Sicherheit.

Hebammengeleitete Geburt in der Klinik

Ein wachsender Trend ist die hebammengeleitete Geburt in der Klinik . Hier übernimmt eine Hebamme die Betreuung im geburtshilflichen Bereich, währen die Klinikmedizin im Hintergrund bleibt (Anästhesie, Neonatologie, Notfallversorgung ). Vorteile : ➡️ Ganzheitliche, persönliche Betreuung durch die Hebamme. ➡️ Sicherheitsnetz der Klinik bei Bedarf. Viele Frauen sehen darin die beste Kombination aus Geborgenheit und medizinischer Sicherheit.

Geburtshaus - die ambulante Alternative

Ein Geburtshaus ist eine von Hebammen geführte Einrichtung, die sich bewusst von der klinischen Atmosphäre unterscheidet: gemütlich, mit höherer persönlicher Betreuung und Fokus auf die natürliche Geburt. Einige Stunden nach der Geburt gehst du wieder nach Hause, Vorteile: 🔸1:1-Betreuung durch eine oder mehrere Hebammen während der ganzen Geburt. 🔸 Ruhige, wohnliche Atmosphäre. 🔸 Weniger medizinische Interventionen. Nachteile: ➡️ Keine ärztliche Notfallversorgung vor Ort. Komplikationen führen zu einer Verlegung ins Krankenhaus. ➡️ Schmerzmittel wie PDA oder Lachgas sind dort nicht möglich.

Geburt zu Hause - vertraut & individuell

Die Hausgeburt bietet maximale Intimität: In den eigenen vier Wänden mit einer Hebamme deiner Wahl. Vorteile : 🔸 Keine medizinische Atmosphäre 🔸 Die Hebamme ist voll bei dir - keine Schicht- oder Stationswechsel, keine Ablenkungen durch die Betreuung mehrerer Entbindungen gleichzeitig wie in der Klinik. 🔸 Keine Anfahrt zu Klinik oder Geburtshaus nötig 🔸 Keine fremde Umgebung, bei Hausgeburten hat die Gebärende das „Hausrecht“. Nachteile : ➡️ Medizinische Ausstattung nur begrenzt vorhanden. ➡️ Bei Komplikationen wird ein Transport zur Klinik nötig, was Zeit kostet, die in Notfällen knapp sein kann.

Statistik und Sicherheit

Ein Blick auf die Daten zur außerklinischen Geburtshilfe, wie sie die Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG e.V.) regelmäßig erhebt, zeigt ein differenziertes und beruhigendes Bild für geplante außerklinische Geburten (Hausgeburt oder Geburtshaus):📌 Umfang der Daten : QUAG erfasst jährlich mehrere Tausend außerklinische Geburten in Deutschland - ca. 1,3% aller Geburten finden außerklinisch statt (zu Hause oder im von Hebammen geleiteten Geburtshaus).📌 Ergebnisse zur Sicherheit :🔸 Der größte Teil der geplanten außerklinischen Geburten verläuft vaginal und ohne operative Eingriffe. 🔸Die perinatale Mortalität bei diesen Geburten lag in den ausgewerteten Jahren im Bereich um 0,12-0,17 % ( also etwa 1,2-1,7 pro 1000 Geburten). 🔸 Rund 99,2-99.3 % der Neugeborenen hatten 5 Minuten nach der Geburt einen Apgar-Wert > oder = 7, was auf eine gute Vitalität hinweist. 🔸 Überleitungen in die Klinik wurden in etwa 16-17 % der Fälle notwendig - und davon erfolgten die meisten vorsorglich und in Ruhe, nicht als Notfall. 🔸Keine mütterlichen Todesfälle im Zusammenhang mit geplanten außerklinischen Geburten wurden berichtet. 📌 Vergleich zur Klinik : Bei klinischen Geburten liegen offizielle Perinatalsterblichkeitsdaten (z.B. über das IQTIG- oder Destatis-Monitoring ) in einem ähnlichen Bereich.

Was heißt das praktisch ?

Die Daten zeigen, dass für gesunde Schwangere mit unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf außerklinische Geburten unter professioneller Hebammen-Begleitung ein statistisch sicheres Setting sind.

Fazit

👉 Risikoeinschätzung ist zentral : wenn Risikofaktoren vorliegen (z.B. Bluthochdruck, Diabetes, Frühgeburt, Mehrlinge ), ist die Klinik der sicherste Ort. 👉 Für Wunschgeburten mit weniger Interventionen bieten Geburtshaus oder eine hebammengeleitete Klinikgeburt gute Alternativen. 👉 Eine Hausgeburt ist sicher, wenn du eine erfahrene Hebamme hast, und ein niedriges Risikoprofil und die Klinik nicht zu weit entfernt ist. ➡️ Sprich frühzeitig mit deiner Hebamme über deine Wünsche. Je früher du den Geburtsort planst, desto besser lassen sich die Risiken abschätzen und umso eher findest du dann die Betreuung, die zu dir passt.