Neugeborenengelbsucht

- wann sie normal ist und wann Vorsicht geboten ist

2/23/2026

Viele Eltern erschrecken, wenn ihr neugeborenes Kind wenige Tage nach der Geburt eine gelbliche Haut- oder Augenfarbe entwickelt. Die sogenannte Neugeborenengelbsucht (Ikterus neonatorum) ist jedoch in den meisten Fällen harmlos und vorübergehend. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine Gelbsucht ernstgenommen und überwacht oder ärztlich behandelt werden muss.

Was ist Neugeborenengelbsucht ?

Neugeborenengelbsucht bezeichnet eine Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten, die durch einen erhöhten Bilirubinspiegel im Blut verursacht wird. Bilirubin ist ein Abbauprodukt der roten Blutkörperchen. Fast alle Neugeborenen haben in den ersten Lebenstagen einen erhöhten Bilirubinwert - bei 60-70% der reifen Neugeborenen ist die Gelbfärbung sichtbar.

Warum entsteht sie ?

Die Entstehung der Neugeborenengelbsucht hat mehrere physiologische Gründe: 🔸 Neugeborene haben nach der Geburt mehr rote Blutkörperchen als sie benötigen. Diese werden rasch abgebaut, wodurch mehr Bilirubin entsteht. 🔸 Die Leber des Neugeborenen ist noch nicht vollständig in der Lage, Bilirubin effizient abzubauen und über die Galle auszuscheiden. 🔸 Bilirubin kann im Darm erneut aufgenommen werden (Rückresorption) , insbesondere wenn der Stuhlgang verzögert ist.

Wann ist Neugeborenengelbsucht harmlos ?

In der Regel gilt eine Gelbsucht als unbedenklich, wenn: 🔸 sie erst nach 24 Stunden auftritt, 🔸 ihren Höhepunkt zwischen dem 3, und 5. Lebenstag erreicht, 🔸 die Bilirubinwerte unter den altersabhängigen Grenzwerten bleiben, 🔸 das Kind wach ist, gut trinkt und sich normal verhält, 🔸 die Gelbfärbung innerhalb von 1-2 Wochen ( bei Frühgeborenen etwas länger ) wieder verschwindet. In diesen Fällen reicht meist eine regelmäßige Kontrolle durch die Hebammen oder den Kinderarzt aus.

Wann wird Neugeborenengelbsucht gefährlich ?

Eine Gelbsucht kann problematisch werden, wenn der Bilirubinspiegel stark ansteigt oder sehr früh auftritt. Warnzeichen sind : ❗️Gelbfärbung innerhalb der ersten 24 Lebensstunden ❗️sehr rascher Anstieg der Bilirubinwerte ❗️ausgeprägte Gelbfärbung bis zu Armen, Beinen oder Handflächen. ❗️ Trinkschwäche, Apathie oder schrilles Schreien ❗️Muskelsteifheit oder Krampfanfälle ( späte Warnzeichen ) . Unbehandelt kann extrem hohes Bilirubin ins Gehirn gelangen und dort Schäden verursachen (Kernikterus). Dies ist heute dank moderner Überwachung selten, aber der Grund, warum eine konsequente Kontrolle so wichtig ist.

Welche Kinder sind besonders gefährdet ?

Ein erhöhtes Risiko für eine behandlungsbedürftige Gelbsucht haben : 🔸 Frühgeborene 🔸 Kinder mit Blutgruppenunverträglichkeit (z.B. Rhesus- oder AB0- Inkompatibilität) 🔸 Neugeborene mit starken Blutergüssen (z.B. nach Saugglockengeburt) 🔸 Kinder mit Infektionen 🔸 Neugeborene, die wenig trinken oder stark an Gewicht verlieren 🔸 Geschwisterkinder, die bereits eine ausgeprägte Gelbsucht hatten.

Wie kann man Neugeborenengelbsucht vorbeugen ?

Eine vollständige Vermeidung ist nicht möglich, da es sich meist um einen natürlichen Anpassungsprozess handelt. Dennoch können Eltern unterstützend wirken : 👍 Häufiges Stillen oder Füttern. Dies fördert den Stuhlgang und damit die Ausscheidung von Bilirubin. 👍 Frühe Stillunterstützung. Gerade in den ersten Tagen ist eine gute Stillberatung wichtig. 👍 Regelmäßige Kontrollen. Sichtkontrolle und ggf. transkutane Bilirubinmessung durch Fachpersonal.

Wie wird Neugeborenengelbsucht behandelt ?

Die Behandlung richtet sich nach Höhe und Verlauf der Bilirubinwerte: 🔸 Beobachtung, bei milden Verläufen ausreichend. 🔸 Phototherapie (Lichttherapie), blaues Speziallicht wandelt Bilirubin in eine wasserlösliche Form um, die über Urin und Stuhl ausgeschieden wird. Diese Therapie ist effektiv und gut verträglich. 🔸 Austauschtransfusion, nur in extrem seltenen,schweren Fällen notwendig.

Fazit

Neugeborenengelbsucht ist meist harmlos und Teil der normalen Anpassung des Babys an das Leben außerhalb des Mutterleibes. Entscheidend ist eine frühe Erkennung, regelmäßige Kontrolle und - falls nötig - rechtzeitige Behandlung. Bei Unsicherheiten solltet ihr euch nicht scheuen, eure Hebamme bzw. euren Kinderarzt anzusprechen.